Als ich mich vor einigen Jahren dazu entschieden habe mein Abitur nachzuholen, war ich ziemlich hilflos. Denn ich hatte keine Vorstellung davon wie sowas abläuft und ob ich das schaffen könnte. Nach etwas längerer Recherche hat sich allerdings ergeben, dass es einige und vielfältige Wege gibt, sein Abitur nachzuholen.


Inhaltsverzeichnis

die richtige Uni
diese Kosten kommen auf Dich zu
Finanzierungsmöglichkeiten


Wer beispielsweise Vollzeit an seiner Bildung arbeiten möchte, kann auf ein staatliches oder privates Kolleg oder Fachgymnasium gehen. Diese gibt es in fast allen (auch kleineren) Städten. Man braucht dort zweieinhalb bis drei Jahre bis zum Abschluss des Abiturs und hat einen Zeitaufwand von circa 30-35 Stunden pro Woche (abzüglich der Schulferien natürlich). 

Es gibt aber auch Teilzeit Modelle, falls Du zum Beispiel weiter arbeiten gehen möchtest oder musst. In der staatlichen oder privaten Abendschule oder dem Abendgymnasium verbringst Du in der Regel 20 bis 24 Stunden pro Woche und brauchst insgesamt ebenfalls zwei bis drei Jahre bis Du das Abitur in der Tasche hast. 

Außerdem gibt es noch staatliche Abendschulen, die das Online-Abitur anbieten. Die Dauer und die Anforderungen bleiben gleich, allerdings hast Du nur zehn Stunden Präsenszeit pro Woche und lernst die restlichen zehn Stunden eigenständig zuhause bzw. online.

Aber wer richtig flexibel sein möchte, entscheidet sich für das Abitur an einer Fernuniversität. Der Zeitaufwand pro Woche ist vollkommen individuell. Du entscheidest selbst, wann, wie, wo und wie viel Du lernst. Die Regelstudienzeit beträgt zwar auch zweieinhalb Jahre, aber Du kannst sie sowohl unterbieten als auch verlängern: Von einem Jahr bis zu fünf Jahren ist alles möglich.

Photo: Samy Wayne

Plan B

Übrigens kannst Du dein Abitur auch komplett auf eigene Faust nachholen. Du meldest Dich dafür einfach beim Bildungsministerium für die Externen-/ Nichtschüler-/ Schulfremdenprüfung an. Du musst nie eine Schule dafür besucht haben. Allerdings musst Du, beispielsweise durch einen Lehrgang, nachweisen können, dass Du den notwendigen Stoff ausreichend gelernt hast. 

Noch was: Nicht für jeden Studiengang brauchst Du zwangsweise einen Abiturabschluss. Es gibt einige staatliche Unis, die auch Zulassungstests und Aufnahmeprüfungen anbieten oder ein Fachabitur ausreicht. Genauso gibt es auch Fachhochschulen, private Unis, duale Studiengänge und andere, die nicht immer ein Abitur verlangen.

Nach reiflicher Überlegung war ich mir sicher, dass das Fernabitur der richtige Weg für mich ist, da ich gerne weiter als Personal Trainerin arbeiten wollte und definitiv den Abschluss wollte. Deswegen hatte ich mich auch von vornherein gegen andere Möglichkeiten des zweiten Bildungsweges entschieden. Wie das Fernabitur genau abläuft, zeig ich Dir jetzt…


Unis, an denen Du dein Abitur nachholen kannst

In Deutschland ist das Angebot an Fernuniversitäten oder Fernschulen, die einen Abiturlehrgang anbieten, überschaubar. Weiter unten findest Du die drei größten und am besten bewerteten Fernunis. Sie ähneln sich: dieselben Einstiegsmöglichkeiten, dieselbe Dauer und dieselben Zertifikate. Am besten forderst Du das Infomaterial von jeder Institution an und lässt dann dein Bauchgefühl entscheiden.

Bei allen Unis dauert das Fernabitur in der Regel 30 bis 42 Monate. Die Einstiege sind mit einem Hauptschulabschluss, mit dem Realschulabschluss (der Mittleren Reife) oder vergleichbaren Abschlüssen wie einer abgeschlossenen Berufsausbildung möglich. Außerdem sind alle Schulen von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) zugelassen und somit staatlich anerkannt. (Das Fernabitur ist gleichwertig dem normalen Abitur.)

Screenshot von www.fernstudi.net

Gute Anhaltspunkte für die Schulwahl sind natürlich die Kosten (zu denen kommen wir gleich) oder die unterschiedliche Fächerauswahl. Aber auch der Standort ist entscheidend. Denn auch wenn Du von zuhause oder von wo auch immer Du möchtest lernst, finden die Prüfungen, die verpflichtende Prüfungsvorbereitung als auch die freiwilligen Seminare in der Fernschule selbst statt. 

Zudem ist Bildung Ländersache. Daher herrschen in den verschiedenen Bundesländern auch verschiedene Bedingungen. Beispielsweise gibt es in Rheinland-Pfalz drei Leistungs- und fünf Grundkurse. In Hamburg dagegen nur zwei Leistungs- und dafür sechs Grundkurse. Ein genauerer Blick hinter die Kulissen lohnt sich durchaus. (Ein Leistungskurs stellt höhere Anforderungen und hat einen größeren bzw. tiefergehenden Stoffumfang als ein Grundkurs.)

Dinge, die Du beachten musst

Geld regiert die Welt. So ist das leider auch in Sachen Bildung. Klar, Du kannst Gott sei Dank jederzeit auf eine staatliche kostenlose Schule gehen und dort Dein Abitur machen. Bildung ist ein Grundrecht. Aber dafür gelten auch bestimmte Bedingungen. Für ein normales Gymnasium musst Du in der Regel eine gute Mittlere Reife bzw. einen guten Notenschnitt vorweisen können.

Auch darfst Du Dich nicht länger als fünf Jahre in der Oberstufe befinden. Das heißt, Du kannst maximal einmal ein Jahr wiederholen und maximal einmal kurz vor der Abiturprüfung zurücktreten. Weiterhin musst Du auch durchweg vernünftige Noten vorweisen können, um zum Abitur zugelassen zu werden. Was über 3 Jahre hinweg auch für gute Schüler eine Herausforderung sein kann.

So viel kostet Dein Fernabitur

Wenn Du all diesen Bedingungen nicht entsprichst, dann gibt es noch kostenlose staatliche Kollegs und Abendschulen. Wenn du aber vollkommene Flexibilität, wie ich damals, brauchst oder möchtest, dann bleibt oft nur der Fernlehrgang. Und der kostet. Du kannst mit insgesamt 2500 – 5000 € rechnen. Aber keine Angst: Du zahlst die Gebühr in Raten, und wenn Du früher fertig bist, kannst Du auch den Rest in einem Mal abbezahlen.

Reden wir mal Klartext: Ein Fernabitur abzulegen bedeutet für Dich, dass Du die nächsten zweieinhalb Jahre circa 150€ pro Monat an die Fernuni bezahlst. Das ist viel Geld, Du solltest Dir wirklich gut überlegen, ob Du so eine Summe im Monat übrig hast. Besonders über einen so langen Zeitraum gesehen. Aber ich kann Dir auch garantieren, Geld in Deine Bildung zu investieren ist das Sinnvollste, was Du mit Geld machen kannst.

So finanzierst Du dein Abitur

Jetzt ist Vorsicht geboten. Die Fernschulen werben mit verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten, um die eigenen Kosten zu reduzieren. Nicht alle sind wirklich so einfach umsetzbar wie sie klingen. Wenn Du Schüler/in, Student/in, Auszubildende(r), Rentner(in), Arbeitslose(r) oder ähnliches bist, hast Du oft Glück. Denn die meisten Schulen bieten Dir dann einen eigenen Rabatt von ungefähr 10% an. 

In allen anderen Fällen empfehle ich Dir, wirklich genauestens das Kleingedruckte zu lesen. Aufgeführt werden meistens folgende Fördermöglichkeiten: steuerliches Absetzen, Bafög, Bildungsgutschein, Bildungsprämie, Förderungen der Bundesländer, Begabtenförderung und Kindergeld. Das klingt nach viel. Aber finde erst einmal heraus, was tatsächlich auf Dich zutrifft und was Dir tatsächlich direkte Abhilfe schafft.

Bestes Beispiel: Bafög

Ich wollte mal Bafög beantragen, was ganz schön in die Hose gegangen ist. Für das Fernabitur kommt das Schüler-Bafög in Frage. Dieses wird für die letzten 12 Monate des Lehrgangs gewehrt und muss nicht zurückgezahlt werden. Jetzt kommt das große ABER: Das Bafög wird nur rückwirkend gewährt. Außerdem musst Du mit einem Bescheid der Schule nachweisen, dass Du die letzten sechs Monate vor Antragsstellung durchgehend kontinuierlich gelernt hast und die letzten drei Monate Vollzeit gelernt hast.

Was heißt das jetzt? Zum einen kannst Du das Bafög erst beantragen, wenn Du dich im letzten Studienhalbjahr befindest. Finanzielle Hilfe vorab oder wenigstens währenddessen kannst Du also schon mal knicken. Und Du kriegst, wie gesagt, nur in 12 von 30 Monaten finanzielle Unterstützung. Das ist nett, aber wenn Du finanziell nicht klarkommst, sind 18 Monate ohne Hilfe immer noch eine Menge.

Potenzielle Hindernisse

Dazu heißt „Vollzeit lernen“, dass Du 20 Stunden die Woche lernst. Das entspricht wiederum deren Auffassung nach circa vier bis fünf Einsendeaufgaben pro Monat. Das klingt nach nicht so viel, aber die Machbarkeit häng von einigen Faktoren ab. Wie lange hast Du nicht mehr gelernt? Kannst Du eigenständig lernen? Kommst Du mit dem Thema zurecht? 

Haben Deine Studienhefte 50 oder eher 150 Seiten? Kannst du ungestört kontinuierlich lernen? Oder hast du Kinder, Arbeit, Haushalt oder andere Verpflichtungen, die dir auch mal in die Quere kommen? Außerdem ist deine Flexibilität dahin, wenn Du sechs Monate kontinuierlich ohne Unterbrechungen Leistungen erbringen musst.

Nochmal für’s Protokoll: Lies Dir bitte genauestens durch, welche Fördermöglichkeiten welche Bedingungen haben. Lass Dich ausgiebig von Fachleuten beraten. Und das am besten bevor Du das Fernabitur beginnst. Wenn Du mehr über die verschiedenen finanziellen Hilfen wissen möchtest, lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.


Fazit

Nun hast Du einen kleinen Überblick darüber, welche Angebote es gibt und welche für Dich in Frage kommen könnten. Bist Du schon neugierig darauf, wie das Fernlernen genau aussieht? Dann klicke Dich jetzt gerne zu dem zweiten Teil dieses Blogartikels: Hier geht es ans Eingemachte. Wie läuft das Fernabitur ab? Was kommt auf Dich zu? Wie funktioniert das überhaupt?

Wenn Du Fragen oder Anregungen hast, dann hinterlasse mir doch gerne einen Kommentar. Wenn Du Jemanden kennst, der diese Infos gebrauchen könnte, kannst Du den Beitrag auch gerne teilen oder weiterleiten.

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